Hannover hat einen der höchsten Altbauanteile unter den deutschen Großstädten. Viertel wie Linden, List und die Nordstadt sind geprägt von Gründerzeithäusern, die zwischen 1880 und 1930 errichtet wurden. Was viele Eigentümer und Hausverwaltungen unterschätzen: In diesen Gebäuden liegen oft noch die originalen Abwasserleitungen — teilweise über 100 Jahre alt.
Wir bei Rohrkonzept arbeiten regelmäßig in Hannovers Altbauvierteln und kennen die typischen Problemstellen genau. In diesem Artikel erklären wir, welche Rohrmaterialien Sie in Altbauten vorfinden, welche Schäden häufig auftreten und wann eine Sanierung sinnvoll oder ein Austausch unvermeidlich ist.
Hannovers Altbau-Bestand: Wo die ältesten Leitungen liegen
Nicht jeder Altbau ist gleich betroffen. Besonders kritisch sind Gebäude in folgenden Stadtteilen:
- Linden-Mitte und Linden-Nord — dichter Gründerzeitbestand, viele Hinterhöfe mit nachträglich verlegten Leitungen. Häufig: Mischinstallationen aus verschiedenen Jahrzehnten.
- List und Oststadt — repräsentative Altbauten mit großen Wohneinheiten. Hier finden wir oft noch originale Gussleitungen in den Fallsträngen.
- Nordstadt — studentisch geprägtes Viertel mit hoher Nutzungsintensität. Die Leitungen sind oft stärker beansprucht als anderswo.
- Calenberger Neustadt und Mitte — teils Vorkriegsbestand, teils Wiederaufbau der 1950er-Jahre mit eigenen Materialproblemen.
Wenn Ihr Gebäude vor 1960 errichtet wurde, sollten Sie den Zustand der Abwasserleitungen mindestens einmal professionell prüfen lassen — idealerweise per Kamerainspektion.
Typische Rohrmaterialien im Altbau
Je nach Baujahr und Gebäudetyp treffen wir bei unseren Einsätzen auf unterschiedliche Materialien. Jedes hat seine eigenen Schwachstellen:
- Bleirohre (vor 1920) — in Trinkwasserleitungen heute verboten, in Abwasserleitungen gelegentlich noch vorhanden. Gesundheitlich bedenklich und mechanisch weich.
- Gussrohre (1900–1960) — das häufigste Material in Altbau-Fallsträngen. Extrem langlebig, aber anfällig für Korrosion von innen. Typisches Schadensbild: Rostdurchbrüche an den Muffen.
- Steinzeugrohre (1880–1970) — glasierte Tonrohre, vor allem in Grundleitungen. Materialtechnisch gut, aber die Verbindungen (Muffen) werden mit der Zeit undicht.
- Tonrohre (unglasiert) — in einfacheren Bauten und Nebengebäuden verbaut. Porös, bruchanfällig und besonders empfindlich für Wurzeleinwuchs.
Häufige Probleme bei Altbau-Rohren
Die Schäden, die wir in Hannovers Altbauten am häufigsten antreffen, lassen sich in vier Kategorien einteilen:
Korrosion und Rostdurchbrüche
Gussrohre korrodieren von innen nach außen. Über Jahrzehnte bilden sich Rostschichten, die den Querschnitt verengen und schließlich das Rohr durchbrechen. Typisches Warnsignal: braunes oder rostfarbenes Wasser beim ersten Aufdrehen.
Kalkablagerungen und Inkrustierung
Hannover hat mittelhartes Wasser. In älteren Leitungen — besonders in Guss- und Steinzeugrohren — setzen sich über Jahrzehnte Kalkschichten ab, die den Rohrquerschnitt erheblich reduzieren. Das Ergebnis: langsam abfließendes Wasser und wiederkehrende Verstopfungen.
Wurzeleinwuchs
Undichte Muffen in Grundleitungen sind eine Einladung für Baumwurzeln. Besonders in Linden und der Nordstadt — Viertel mit altem Baumbestand — sehen wir regelmäßig Wurzeln, die sich durch Rohrspalten zwängen und die Leitung blockieren. Ohne Behandlung wächst das Problem jedes Jahr weiter.
Undichte Muffen und Rohrversätze
Setzungen des Gebäudes, Bauarbeiten in der Nachbarschaft oder schlicht Alterung führen dazu, dass sich Rohrverbindungen verschieben. An den undichten Muffen tritt Abwasser aus und Erdreich dringt ein — ein Kreislauf, der die Leitung langsam zerstört.
- Warnsignal 1: Wiederkehrende Verstopfungen an derselben Stelle
- Warnsignal 2: Feuchte Flecken oder Kanalgeruch im Keller
- Warnsignal 3: Abfluss wird trotz Reinigung immer langsamer
- Warnsignal 4: Nasse Stellen im Garten oder an der Hauswand
Sanierung ohne Aufgraben: Das Inliner-Verfahren
Die gute Nachricht: Nicht jedes defekte Rohr muss ausgegraben werden. Mit dem Inliner-Verfahren (auch Schlauchlining oder CIPP genannt) können wir beschädigte Leitungen von innen heraus sanieren — ohne Bagger, ohne aufgerissene Böden und ohne wochenlange Baustelle.
So funktioniert es:
- Zunächst erfolgt eine gründliche Kamerainspektion, um Art und Umfang des Schadens zu dokumentieren.
- Die Leitung wird professionell gereinigt — Ablagerungen, Wurzeln und Inkrustierungen werden entfernt.
- Ein harzgetränkter Glasfaserschlauch wird in die Leitung eingebracht und an die Rohrinnenwand gepresst.
- Das Harz härtet aus und bildet ein neues, nahtloses Rohr im bestehenden Rohr — mit einer Lebensdauer von über 50 Jahren.
Wann muss getauscht werden?
So effektiv das Inliner-Verfahren ist — es gibt Fälle, in denen eine Sanierung nicht mehr ausreicht und nur noch ein vollständiger Austausch infrage kommt:
- Totalschaden: Wenn das Rohr auf längeren Abschnitten eingebrochen, zerbrochen oder vollständig durchkorrodiert ist, fehlt die Grundlage für einen Inliner.
- Querschnittsverengung über 50 %: Wenn Inkrustierung oder Korrosion den Rohrdurchmesser um mehr als die Hälfte reduziert haben, kann selbst ein Inliner den Abfluss nicht mehr gewährleisten.
- Massive Rohrversätze: Bei Verschiebungen von mehr als einem Drittel des Rohrdurchmessers lässt sich kein Inliner mehr sicher einziehen.
- Statische Probleme: Wenn das umgebende Erdreich abgesackt ist und das Rohr keinen stabilen Halt mehr hat.
Ob Sanierung oder Austausch — diese Entscheidung treffen wir nie pauschal, sondern immer auf Grundlage einer Kamerainspektion und einer ehrlichen Beratung. Bei Rohrkonzept bekommen Sie vorab einen klaren Befund und eine transparente Kosteneinschätzung.
Sie haben einen Altbau in Hannover und sind unsicher, wie es um Ihre Leitungen steht? Rufen Sie uns an — wir schauen uns das an: 0171 4102467.
