Wenn ein Kanal beschädigt ist — durch Risse, Versatz, Wurzeleinwuchs oder Korrosion — muss er saniert werden. Die klassische Methode: aufgraben, altes Rohr raus, neues rein. Das funktioniert, ist aber teuer, zeitaufwendig und zerstört oft Garten, Einfahrten oder Pflasterflächen. Die Alternative: das Inliner-Verfahren — auch bekannt als Schlauchlining oder grabenlose Kanalsanierung.
Wir bei Rohrkonzept setzen diese Technik seit Jahren ein und erklären hier, wie sie funktioniert, was sie kostet und wann sie sinnvoll ist.
Was ist ein Inliner?
Ein Inliner ist ein flexibler Schlauch aus Glasfasergewebe oder Synthesefaser, der mit Kunstharz getränkt wird. Er wird in das beschädigte Rohr eingezogen oder eingestülpt und dort ausgehärtet — entweder durch UV-Licht, Warmwasser oder Dampf. Nach dem Aushärten entsteht ein neues Rohr im alten Rohr — glatt, dicht und stabil.
Verbreitet sind zwei Varianten:
- Schlauchlining (CIPP): Ein harzgetränkter Schlauch wird in die Leitung eingestülpt und mit Druck an die Rohrwand gepresst. Nach der Aushärtung bildet er ein nahtloses Rohr-im-Rohr. Ideal für längere Abschnitte.
- GFK-Kurzliner (Punktsanierung): Ein kurzer, glasfaserverstärkter Liner wird gezielt an einer einzelnen Schadstelle positioniert — zum Beispiel an einem Riss oder Muffen-Versatz. Schnell, präzise und kostengünstig.
Ablauf einer Inliner-Sanierung
Eine typische Inliner-Sanierung läuft in fünf klar definierten Schritten ab:
1. Kamerainspektion
Bevor irgendetwas saniert wird, fahren wir mit einer HD-Kanalkamera durch die Leitung. Wir dokumentieren jeden Schaden, bestimmen die Rohrdimension und die Länge des zu sanierenden Abschnitts. Ohne diesen Schritt wäre jede Sanierung Blindflug.
2. Hochdruckreinigung
Die Leitung wird mit Hochdruck (bis zu 200 bar) gereinigt. Ablagerungen, Fettschichten und Wurzelreste müssen raus, damit der Liner später sauber anliegt. Dieser Schritt ist entscheidend für die Haltbarkeit der Sanierung.
3. Liner einziehen
Der mit Harz getränkte Schlauch wird über den Revisionsschacht oder einen bestehenden Zugang in die Leitung eingeführt. Per Druckluft oder Inversion wird er an die Innenwand des alten Rohrs gepresst — Millimeter für Millimeter, lückenlos.
4. Aushärten
Je nach Verfahren wird der Liner mit UV-Licht, Warmwasser oder Dampf ausgehärtet. Dieser Prozess dauert — je nach Länge und Durchmesser — zwischen 2 und 6 Stunden. Danach ist das neue Rohr-im-Rohr voll belastbar.
5. Abschlusskontrolle
Nach dem Aushärten fahren wir erneut mit der Kamera durch die Leitung. Wir prüfen, ob der Liner lückenlos anliegt, ob die Anschlüsse frei sind und ob alles dicht ist. Sie erhalten das Protokoll und die Aufnahmen — für Ihre Unterlagen und ggf. für die Stadt.
Vorteile gegenüber Aufgraben
Warum entscheiden sich immer mehr Eigentümer für das Inliner-Verfahren? Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Kein Bagger, kein Aushub: Ihr Garten, Ihre Einfahrt und Ihr Pflaster bleiben unversehrt. Kein Dreck, kein Lärm über Tage.
- Schneller: Eine typische Inliner-Sanierung im Einfamilienhaus ist in einem Tag erledigt — Aufgraben dauert oft eine Woche.
- Günstiger: Die Gesamtkosten sind meistens 30–50 % niedriger als bei einer offenen Baugrube — allein weil Erdarbeiten, Pflasterwiederherstellung und Entsorgung wegfallen.
- Langlebig: Ein korrekt eingebauter Inliner hält 50 Jahre und länger. Die glatte Innenwand ist zudem weniger anfällig für neue Ablagerungen.
- Minimal-invasiv: Ideal unter Gebäuden, Straßen oder altem Baumbestand, wo Aufgraben gar nicht oder nur mit enormem Aufwand möglich wäre.
Wann ist ein Inliner nicht möglich?
So vielseitig das Verfahren ist — es gibt Grenzen:
- Komplettbruch oder Einsturz: Wenn das Rohr komplett zusammengefallen ist, gibt es keine Struktur mehr, an der der Liner anliegen könnte. Hier hilft nur ein Austausch.
- Zu enger Radius / starke Bogenstücke: Bei sehr engen Kurven oder 90°-Bögen lässt sich der Schlauch nicht sauber anlegen. In solchen Fällen kombinieren wir Inliner-Technik mit punktuellen Reparaturen.
- Sehr kleine Nennweiten (unter DN 70): Bei besonders dünnen Leitungen (z. B. Hausentwässerung in Altbauten) kann der Liner den Querschnitt zu stark einengen.
In jedem Fall klären wir das vorab durch eine Kamerainspektion. So wissen Sie genau, welches Verfahren für Ihre Leitung das richtige ist — bevor irgendwelche Kosten entstehen.
Kosten und Förderung
Die Kosten einer Inliner-Sanierung hängen von mehreren Faktoren ab:
- Länge des zu sanierenden Abschnitts — je länger, desto mehr Material.
- Durchmesser der Leitung — größere Rohre benötigen stärkere Liner.
- Zustand der Leitung — bei starkem Wurzeleinwuchs oder Verformung ist der Reinigungsaufwand größer.
- Zugänglichkeit — gut erreichbare Schächte vereinfachen die Arbeit.
Als grobe Orientierung: Eine Kurzliner-Punktsanierung beginnt bei ca. 400–600 Euro. Eine Komplettsanierung per Schlauchlining liegt je nach Länge und Durchmesser typischerweise zwischen 2.000 und 6.000 Euro — immer noch deutlich unter den Kosten einer offenen Baugrube.
Gut zu wissen: In einigen Kommunen gibt es Zuschussmöglichkeiten für die Kanalsanierung auf Privatgrund — insbesondere im Rahmen der Dichtheitsprüfung. Fragen Sie bei Ihrer Stadt oder Gemeinde nach. Wir helfen Ihnen gern bei der Antragstellung.
Sie möchten wissen, ob ein Inliner für Ihre Leitung in Frage kommt? Rufen Sie uns an unter 0171 4102467 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Wir beraten Sie ehrlich und unverbindlich.
